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Vorwissenschaftliche Arbeit:
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Änderung der Reifeprüfungsverordnung!
RPVO.pdf
Stellungnahme der AHS-Russischlehrer/Russischlehrerinnen Österreichs
zur geplanten Reform der Reifeprüfungsverordnung
Im Rahmen des diesjährigen bundesweiten Russisch-Fortbildungsseminars in Raach (23.-25.10.2006) haben wir uns mit der vom BMBWK geplanten Reform der Reifeprüfung (ab 2008) auseinander gesetzt und mit Befremden die fehlende Informationsbereitschaft seitens des BMBWK zur Kenntnis genommen.
Man bekommt von offizieller Seite keinerlei Informationen über die Tragweite der geplanten Reformen. Das erscheint uns durchaus bedenklich. Wir hätten eigentlich erwartet in die Diskussionen miteinbezogen zu werden. Immerhin werden wir es auch in Zukunft sein, die die Schüler auf die Reifeprüfung (RP) vorbereiten, selbst wenn wir aus dem Prüfungsprozess teilweise ausgeschlossen sein werden.
Wir halten es prinzipiell für unseriös, wenn wir in unseren Überlegungen gezwungen sind, von Mutmaßungen über die geplanten Reformen ausgehen zu müssen. Bezug nehmend auf andere Fremdsprachen (v.a. Englisch) haben wir uns bemüht, einige in Reform befindliche Diskussionspunkte zu konstatieren. Darauf fußen die folgenden Bedenken:
- Selbst wenn Spracherwerb prinzipiell in jeder Sprache ähnlichen Gesetzmäßigkeiten folgt, heißt das noch lange nicht, dass für alle Sprachen identische Testformate die gewünschte Garantie eines angestrebten standardisierten Niveaus bewerkstelligen können. Konkret sehen wir für Russisch große Probleme im Testen des Hörverstehens, da bis jetzt kein Übungsmaterial in geeigneter Länge auf B2-Niveau zur Verfügung steht. Daher lehnen wir ein verpflichtendes Testformat für Hörverstehen für Russisch ab.
- Testformate, die gezielt einzelne linguistische Kompetenzen abprüfen (z.B. Clozes, Editing etc.), müssen über einen längeren Zeitraum vorbereitet und geübt werden. Als verantwortungsbewusste Pädagogen/Pädagoginnen empfinden wir eine Verordnung ab dem Schuljahr 2007/08 sowohl für uns selber, aber v.a. für unsere Schüler/Schülerinnen als Zumutung, weil sie zu wenig Zeit für eine fundierte Vorbereitung bietet.
- Völlige Unklarheit herrscht in den Fragen der praktischen Durchführung der Reifeprüfung aus Russisch:
- Wer wird die neuen Testformate für die schriftliche/mündliche RP erstellen? (Werden Lehrer/Lehrerinnen bei der Erstellung eingebunden oder die Tests "eingekauft"? Wenn ja - wo?)
- Wer korrigiert die schriftlichen Testbögen?
- Wie sieht das Verhältnis von schriftlicher zu mündlicher RP konkret aus (z.B. bezüglich Dauer/Wertigkeit)? Uns ist lediglich bekannt, dass die schriftliche RP zugunsten der mündlichen abgewertet und die mündliche RP dementsprechend aufgewertet werden soll.
- Wer wird bei der mündlichen RP die Rolle des Interlokutors übernehmen (vorausgesetzt, das Modell der englischen RP wird auf die russische übertragen)? Wie sieht die Kernstoff-Prüfung aus? Gibt es noch Spezialgebiete? Was passiert mit den Fachbereichsarbeiten? etc.
Abschließend wollen wir feststellen, dass wir es für äußerst bedenklich halten, wenn uns Unterrichtenden eine neue Verordnung aufgezwungen wird, an deren Vorbereitung wir nicht mitarbeiten dürfen. Aufgrund dieser fragwürdigen Vorgangsweise drängt sich uns die Vermutung auf, dass unsere konstruktive Mitarbeit an der Reform nicht erwünscht bzw. unsere fachkompetente Meinung nicht gefragt ist. Wie rechtfertigt das BMBWK diese Vorgangsweise?
Wenn diese Reform gelingen soll, so muss sie von uns allen mitgetragen und mitvorbereitet werden, damit unsere Schüler/Schülerinnen, von uns gut vorbereitet, jene Leistungen erbringen können, die wir von ihnen erwarten.
Wir ersuchen daher darum, dass uns die nötigen Informationen zur Verfügung gestellt werden, um so am Reformprozess aktiv teilnehmen zu können. Außerdem würden wir es sehr begrüßen, wenn wir zu "Reformgesprächen", die mit Vertretern anderer Sprachen (Englisch, Französisch, Italienisch) im Rahmen einer "Arbeitsgruppe für die 4-Skills-Matura" bereits geführt wurden, in Zukunft auch eingeladen würden. Wir sind auch gerne bereit an einem eigens für Russisch einberufenen Seminar teilzunehmen, an dem konstruktiv und gemeinsam mit Vertretern des Ministeriums, der Arbeitsgruppe und uns Russisch-Lehrern an der Reform gearbeitet wird. Als mögliche Fortsetzung dieses Seminars, und um mehr aktive Russischlehrer in den demokratischen Reformprozess einbeziehen zu können, ist für uns auch die Einrichtung einer Internet-Plattform vorstellbar.
Die Russischlehrer/Russischlehrerinnen Österreichs
Raach, 25.10.2006
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